AMS: Die Lage am Vorarlberger Arbeitsmarkt – Stand Juli 2026
Arbeitsmarkt bleibt unter Druck – Vorarlberg behauptet Spitzenposition - Ältere Arbeitskräfte besonders betroffen – Lehr- und Tourismusberufe sorgen für positive Impulse
Die wirtschaftliche Erholung lässt weiter auf sich warten – entsprechend angespannt bleibt die Situation auf dem Vorarlberger Arbeitsmarkt. Ende Juli waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) Vorarlberg 10.555 Personen arbeitslos vorgemerkt. Das sind um 829 Personen beziehungsweise 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote stieg auf 5,7 Prozent, liegt damit aber weiterhin deutlich unter dem österreichweiten Durchschnitt von 6,9 Prozent. Im Bundesländervergleich belegt Vorarlberg den vierten Platz hinter Tirol, Salzburg und Oberösterreich.
„Die ausbleibende wirtschaftliche Erholung hält den Vorarlberger Arbeitsmarkt weiterhin unter Druck“, sagt AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter. Besonders der Beschäftigungsrückgang in Industrie und Handel wirke sich auf die Arbeitslosigkeit aus. Die geringere Personalnachfrage führe dazu, dass immer mehr Menschen länger auf eine neue Beschäftigung warten müssten.
Besonders stark betroffen sind ältere Arbeitskräfte. Die Zahl der arbeitslosen Personen ab 50 Jahren stieg innerhalb eines Jahres um 16,2 Prozent auf 3.245. Das AMS sieht hier dringenden Handlungsbedarf und setzt weiterhin auf Programme wie die Aktion 55+ sowie Beratungsangebote für Unternehmen, um ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten und ihre Chancen bei Neueinstellungen zu verbessern.
Positiv entwickelt sich dagegen die Jugendarbeitslosigkeit. Während die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren lediglich um 3,0 Prozent zunahm, ging sie bei den 15- bis 20-Jährigen sogar leicht zurück. Damit zeigt sich diese Altersgruppe deutlich stabiler als der übrige Arbeitsmarkt.
Auch bei den offenen Stellen gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Insgesamt waren Ende Juli 3.987 sofort verfügbare Stellen beim AMS gemeldet – um 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Deutliche Zuwächse verzeichneten jedoch die Lehr- und Kulturberufe (+54,5 Prozent) sowie die Tourismusberufe (+22,3 Prozent). Rückgänge gab es insbesondere im Gesundheitsbereich (-47,3 Prozent), in den Büroberufen (-23,2 Prozent) sowie in den Metall- und Elektroberufen (-15,1 Prozent).
Eine der größten Herausforderungen bleibt die Qualifikation der Arbeitsuchenden. Fast jede zweite arbeitslose Person – insgesamt 44,8 Prozent – verfügt höchstens über einen Pflichtschulabschluss. Gleichzeitig verlangen knapp 70 Prozent der ausgeschriebenen Stellen zumindest eine Lehrausbildung oder eine weiterführende Qualifikation. Für das AMS bleibt Weiterbildung daher ein zentraler Schlüssel, um den Fachkräftebedarf der Betriebe langfristig zu decken.
Der Lehrstellenmarkt zeigt sich trotz einer steigenden Zahl an Lehrstellensuchenden weiterhin auf einem guten Niveau. 202 sofort verfügbare Lehrstellen stehen derzeit 324 Lehrstellensuchenden gegenüber. Insgesamt wurden dem AMS sogar 872 offene Lehrstellen gemeldet – deutlich mehr als vor einem Jahr.
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleibt Vorarlberg damit eines der stabilsten Arbeitsmarktbundesländer Österreichs. Entscheidend für die kommenden Monate wird sein, ob die erwartete Konjunkturerholung wieder zu einer steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften führt und die Arbeitslosigkeit nachhaltig sinken lässt.